Matthias Bettag im Interview - eMetrix Summit und Web Analytics Association

Matthias Bettag

Am 06. Apri 2011 fand in München die eMetrics statt. Dort sprach Matthias Bettag in einer Diskussionsrunde über die "Zukunft der Webanalyse". Zudem berichtete er über die Arbeit der Web Analytics Association (WAA) und stellte Neuigkeiten vor.

 

Die Gelegenheit habe ich genutzt ihm einige Fragen über die eMetrics und die WAA zu stellen.

 

Welche Eindrücke nehmen Sie von der eMetrics mit?

Die Konferenz gefiel mir sehr gut. Es gab zwar weniger parallele Sessions, am zweiten Tag sogar keine mehr, doch aus meiner Sicht hat das die Qualität keineswegs gemindert. Im Gegenteil, es hat mehr Publikum gewährleistet und somit auch Rückfragen und Feedback erhöht.
Das Verhältnis Berater-Kunden kann ich schwer schätzen, jedoch waren Kunden bzw. Anwender nach meiner subjektiven Wahrnehmung sehr zahlreich vertreten.

 

Welchen Wissensstand hatten die Besucher?

Auch hier kann ich nur subjektiv einschätzen, dass sich der allgemeine Reifegrad in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Webanalyse ist keine Exotendisziplin mehr.

 

Wie beurteilen Sie die Rede von Jim Stern? Was stand im Focus seiner Betrachtung?

Jims Keynote war wie immer sehr unterhaltsam, informativ und illustrativ. Er sprach diesmal von der "human side of analytics" hin zu einem "integrated marketing", wo die Fragestellung des jeweiligen Geschäftsmodells im Vordergrund steht und nicht mehr die rein datenzentrierte Sicht. Wer bei Entscheidungsträgern Gehör finden will, muss eine Geschichte erzählen, keine Daten oder Reports präsentieren. Jim zitierte dabei Avinash Kaushik "How to win web analytics: Send a concise report with an info snack".

 

Was haben Sie erfahren, was Sie vorher nicht wussten?

- Tag-Management-Systeme (TMS) sind hierzulande vielen noch unbekannt, oder deren Nutzen wird nicht richtig verstanden.
- Vicky Brock konnte am "lebenden Beispiel" zeigen, dass Webanalysen z.B. im Tourismusbereich sehr konkreten Vorhersagen für das offline-Kundenverhalten bieten - ganz ohne Data-Warehouse- oder "intelligente" BI-Systeme, und sogar ohne Beachtung von Pageviews und Visits.
- Der jährliche Umsatz des Blumenhandels in Deutschland beträgt stolze 3,2 Mrd Euro (auch wenn nur 10% davon online umgesetzt werden ist dies ein großer Markt)
- IBM hat weltweit ca. 8.4 Millionen Webseiten, alleine 50.000 in Deutschland.

 

Welche Fragen gab es von Besucherseite?

Das war sehr unterschiedlich. Viele Rückfragen gab es z.B. zum Thema Usability und der Bewertung von "Likes" auf Facebook/Social Media.

 

Was waren die Themen außerhalb des Kongresses?

Ich erlebte großes Interesse der Anwender an den verschiedenen Geschäftsmodellen sowie speziellen Anforderungen und Bedingungen anderer Teilnehmer. Datenschutz und verwandte Aspekte sind - neben der Frage wie die Webanalyse in das jeweilige Unternehmen und dessen Prozesse integriert ist - ebenfalls ein Dauerbrenner.

 

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Erwartungen deutscher und amerikanischer Kunden?

Ich glaube da gibt es keine großen Unterschiede - wenn es um Optimierung geht sind die Erwartungen gleich. Auch hierzulande wird im Online Business nicht mit Muscheln bezahlt. Ich würde allerdings sagen, dass das Tätigkeitsfeld der Webanalyse nicht gleichermaßen und in gleicher Reichweite bekannt ist. In Deutschland sind eher Begriffe wie SEO oder paid advertising bekannt, während Webanalyse manchmal noch als technisches Reporting verstanden wird. Oder als eine "Sonderform" der Datenbank-Analyse oder Marktforschung.

 

Was hindert, Deiner Meinung nach, Website Betreiber professionelle Webanalyse Tools einzusetzen?

Technisch eigentlich gar nichts. Sicherlich wird häufig das Budget die Auswahl limitieren, komplizierter wird es erst, wenn interne Ressourcen/Abteilungen fehlen, um Web Controlling und Optimierung gezielt zu steuern. Oder wenn diese nicht effizient und flexibel genug ausgerichtet bzw. strukturiert sind.

 

Ist der deutsche Markt vielleicht noch nicht reif genug?

Bei Betrachtung der USA mag das teilweise im B2B-Bereich und weitaus mehr für den Non-Profit/Governance/Education-Bereich so sein, im Vergleich zu anderen Ländern muss Deutschland sich aber nicht verstecken.
Ein Beispiel zur hohen Expertise der Fachleute: Die Erfolgsquote des Web Analytics Certification Programs des "Gruppen-Examens" in Berlin vom Dezember 2010 war mit 71% bestandenen Prüfungen weit über dem bisherigen Durchschnitt (ca 60%). Zertifiziert wurden auch einzelne Webanalysten aus Nachbarländern.

 

Matthias, Du bist ja Contry Manager der Web Analytics Association (WAA) in Deutschland. Was gibt es neues von der WAA?

Ich war im ersten Quartal 2011 beruflich und auch privat sehr stark gefordert und konnte leider viel weniger Zeit als gewünscht in mein Ehrenamt als deutscher "Country Manager" der WAA investieren. Der WAA-Austausch fand daher im allgemeinen Networking statt, nachdem ich mit Thomas Schmidt nach Jims Keynote 5 Minuten zur Vorstellung hatte. Die Agenda der eMetrics mit einem so vollen Programm über nur zwei Tage lässt sich nicht so einfach umbauen und kaum erweitern. Ich nehme mir aber fest vor, das im kommenden Jahr besser zu machen.
In der Tat war z.B. die große Informations- und Diskussionsrunde zum Datenschutz auch für Teilnehmer der parallel stattfindenden SMX offen.

Aufgrund der Nachfrage die ich in persönlichen Gesprächen erfuhr, werden wir möglicherweise noch diesen Sommer eine weitere Web Analytics Certification, dann in Frankfurt/M, anbieten. Wenn sich genügend Personen anmelden gibt es möglicherweise wieder einen sehr günstigen Gruppenrabatt.

 

Darf ich zum Schluss noch um ein kurzes Resümee bitten?

Die eMetrics in Deutschland entwickelt sich sehr gut. Von der Teilnehmerzahl ist sie inzwischen die größte eMetrics in Europa. Es ist sicher kein einfacher Job, organisatorisch und inhaltlich allen Teilnehmern und Sponsoren gleichermaßen gerecht zu werden. Es gibt vereinzelt auch konstruktive Kritik. Ich freue mich aber sehr auf die nächste eMetrics, übrigens schon terminiert für den 27-28 März 2012. Danke an dieser Stelle an die Kollegen bei RisingMedia für deren enormes Engagement und die so erfolgreiche Durchführung der eMetrics.

 

Die WAA muss sich in Europa unbedingt noch stärker einbringen. Während lokale Events zum Socialising, Networking und Erfahrungsaustausch dezentral funktionieren - und somit von Einzelpersonen und kleinen Gruppen selbstständig organisiert werden können, erfordern vor allem rechtliche und industrieweite Regelungen eine europaweit gut koordinierte WAA. Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich durch die vielen Länder und damit auch sprachlichen Barrieren. Man darf auch nicht vergessen, dass alle "aktiven" WAA-Mitglieder ehrenamtlich arbeiten und neben Job und Familie Zeit dafür finden müssen.

 

Ziel sollte sein über die verschiedenen Aspekte, sowie über die Notwendigkeit der Webanalyse aufzuklären. Die WAA sollte versuchen die verschiedenen Interessengruppen konkret zusammenzubringen (neben Branchenverbänden und Anbietern auch Politiker, Journalisten, Verbraucherschützer, usw.). Dabei muss Objektivität und Unabhängigkeit gewährleistet bleiben, und der Fokus auf praktikable Lösungen liegen. Das Vorgehen einer "Europa-WAA" muss aber eng mit dem Board und den Committees der WAA abgestimmt sein, die noch sehr US-lastig sind. Die Bereitschaft zu solch einem Austausch ist mindestens bei Vicky Brock (dem einzigen WAA-Board Mitglied aus Europa) und auch bei mir gegeben, wir haben auch schon erst Pläne diskutiert.

Vielen Dank!

 

Matthias Bettag, Content Management Expert, Bayer Schering Pharma

Matthias Bettag (Dipl. Inf., FH) ist seit 2007 als “Content Management Expert” im Global E-Marketing bei Bayer Schering Pharma tätig und unterstützt dort die Business Units und Regionen hinsichtlich der Entwicklung und dem Management von Webseiten. Tätigkeits-Schwerpunkt war zunächst die Konsolidierung aller weltweit verteilten Webseiten auf eine Infrastruktur und die Entwicklung von Standard-Lösungen und Prozessen, um die verschiedenen Businessanforderungen umzusetzen. In der Folge dessen ist auch Web-Analyse ein wesentlicher Themenschwerpunkt geworden. Vorher war er als Webmaster für die deutschen Webseiten der damaligen Schering AG tätig.

Desweiteren ist Matthias Bettag Country Manager der Web Analytics Association (WAA) in Deutschland.

http://waablog.webanalyticsassociation.com/

 

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